Themenkorridor 2

Digitalisierungsgetriebener Organisationswandel

Als Organisationen müssen sich Hochschulen und Forschungsinstitute mit der Digitalisierung aus­ein­an­der­setzen: Aktiv umgegangen werden muss hier mit der Rekonfiguration der immer schon konfliktträchtigen Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft (extern) sowie zwi­schen Forschung, Lehre und Verwaltung (intern) (vgl. z.B. Baecker 2007, 2010). Digitalisierung macht da­her Organisationsanpassungen nötig, kann zugleich aber auch deren Umsetzung erleichtern und diese antreiben.

Unterschieden werden hier Digitalisierungspolicies von Digitalisierungsstrategien: Letztere stehen in der Gefahr, als planerische Bewirtschaftungs­instrumente einer Systematik zu folgen, die permanente Änderun­gen von Bedingungen und Mög­lichkeiten wie sie für die Digitalisierung typisch sind nicht integrieren kann. Policies stellen inhaltliche Anliegen in den Mittelpunkt und ge­stalten von diesen her die Prozeduren und Interaktionen, die zur Umsetzung nötig sind. Sie schließen die Möglichkeit von Ziel­korrekturen und Pro­grammrevisionen ein, und sie finden auch dann faktisch statt, wenn es keine Strategien gibt. Sind aber die Policies tatsächlich digitalisierungsrobust, also: zukunfts­offen und dabei wissenschaftssensibel?

Hierzu sind empirisch Muster heutiger Digitalisierungspolicies zu ermitteln: Diese sind gegenwärtig zu­meist nur implizit, situativ und plausibilitätsgestützt. Gleichwohl lassen sie sich fallbezogen rekonstruieren und in ihren Wirkungen analysieren: (a) übergreifend durch die Rekonstruktion von Digitalisierungspolicies auf der Makro-, Meso- und Mikroebene; (b) fallbezogen an der Schnittstelle Gesellschaft-Wissen­schaft sowie (c) an den Schnittstellen Verwaltung Forschung Lehre. Über (weitere) Digitalisierungsschritte ist auf übergeordneten Ebenen und in den Wissenschafts­­­ein­richtungen fort­während zu entscheiden. Die Ent­scheidungen sind in der Regel sehr ko­­­sten­träch­tig. Die Rationalität die­­ser Entscheidungen ist steigerbar, wenn sie explizierten Zielde­­finiti­o­nen, Regeln und Erfolgsmesskri­te­rien fol­gen. (Vgl. Hechler u. Pasternack 2017a; 2017b)

Versteht man Digitalisierung als Medienrevolution, die vertraute Medien rekonfiguriert und wesentliche strukturelle wie kulturelle Anpassungen der Gesellschaft provoziert, so besteht die Aufgabe darin, neue Formen zu entwickeln, innovativ und routiniert mit den neuen Möglichkeiten umzugehen. Dies geschieht nicht zuletzt durch die Praxis, insbesondere durch Innovateure (vgl. Baecker 2015). Auch Hochschulen und Forschungsinstitute sehen sich als Organisationen angesichts der Digitalisierung herausgefordert, neue Formen der Interaktion mit externen Akteuren zu entwickeln Formen, die sowohl geeignet sind, ihre Funktionalität und Identität zu wahren als auch gelingende Umweltbeziehungen zu etablieren.

Letzte Änderung: 04.07.2019 - Ansprechpartner: fokuslehre@ovgu.de