Themenkorridor 4

Globalisierung und Internationalisierung

Wissenschaft ist ein globales Unterfangen, da sich ihr immanenter Wahrheitsanspruch nicht regional oder national begrenzen lässt. Das findet seine Entsprechung auf institutioneller Ebene: In praktisch allen Ländern und mit teilweise erstaunlichen Ähnlichkeiten gibt es Hochschulen (Meyer u. Schofer 2005; Hoel­scher 2012); ebenso finden sich in unterschiedlichen Ausprägungen in allen Ländern jeweils ein Sy­stem öf­fentlich finanzierter außeruniversitärer Forschung (vgl. z.B. Allmendinger u. Gamisch o.J. [2013]) und in zahlreichen Ländern unterschiedlicher Kulturkreise auch Gelehrtenakademien (z.B. Collins 1998). Gleichzeitig wird der Wissenschaft von der Politik, also auf der Makroebene, als Innovationsmotor eine zu­nehmend wichtige Rolle für die (regionale und vor allem nationale) Wettbewerbsfähigkeit zugeschrieben. In dieser Rolle sollen Wissenschaftseinrichtungen ihr Wissen gerade nicht global, sondern primär zur Nut­zung durch die regionale und gesamtstaatliche Wirtschaft zur Verfügung stellen. Es stellt sich deshalb die Frage, wie sich Individuen, Organisationen und ganze Systeme in diesem Spannungsfeld verhalten, und vor allem warum sie sich so verhalten.

Verschiedene Studien können zeigen, dass sich die Internationalisierungsstrategien sowohl auf der Länder­­ebene als auch auf der Ebene der Organisationen national unterscheiden (z.B. Graf 2009; Kercher & Orlik 2015). Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahrzehnten vielfältige Entwicklungen ergeben, die sich gar nicht mehr einem bestimmten nationalen Kontext zurechnen lassen, wie etwa der Bologna-Pro­zess, mit allerdings jeweils weitreichenden und unterschiedlichen Auswirkungen auf die nationalen Sys­te­me (z.B. Serrano-Velarde 2008).

Doch nicht nur die Mobilität von Forschenden und Studierenden scheint zugenommen zu haben, sondern auch die wissenschaftliche Kommunikation und die Wissenschaftskommunikation. Forschungsergebnisse müssen in internationalen Top-Journals veröffentlicht werden, Rankings vergleichen Organisationen für je­den sichtbar weltweit (z.B. Marginson & van der Wende 2007), und E-Learning-Angebote wie MOOCS werden raumunabhängig angeboten und werben weltweit um Studierende. Diese wissenschaftsinternen Entwicklungen sind dabei eng mit außerwissenschaftlichen Trends im Bereich der Wirtschaft und der Politik verknüpft (z.B. Kauppinen 2012).