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Graduiertenkolleg

Das Graduiertenkolleg „Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation als forschungsbasierte Praxen der Wissenschaftssystementwicklung“ (WiMaKo) will an den beiden Beispielthemen Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation untersuchen, wie das Wissenschaftssystem auf die erhöhten Anforderungen durch die Gesellschaft (Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft) reagiert und diese bearbeitet. Für die Projekte, die im Kolleg verfolgt werden, ist die Annahme leitend, dass (a) die Binnenverhältnisse der Wissenschaft auch mit Blick auf die externen Kontakte der Wissenschaft gestaltet und erforscht werden müssen und (b) die ex­terne Kommunikation der Wissenschaft nur gelingen kann, wenn deren interne Funktionsweisen berücksichtigt werden. Das Graduiertenkolleg wird vom BMBF im Zeitraum Juli 2019 bis Juni 2023 mit einer Gesamtsumme von über 3,5 Millionen Euro gefördert.

Das Graduiertenkolleg zeichnet sich in mehrfacher Hinsicht als besonders aus. Es ist nicht nur das erste Graduiertenkolleg, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, es stellt sich der Herausforderung, über drei Standorte hinweg als Verbundprojekt der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und dem Institut für Hochschulforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu arbeiten. Im Unterschied zu klassischen Graduiertenkollegs besteht das Team zudem nicht nur aus Kollegiat:innen, die direkt im Anschluss an ihren Universitätsabschluss promovieren. Der größere Teil der Doktorand:innen bringt jahrelange Berufspraxis in den Themengebieten mit ein, die die inhaltlichen Schwerpunkte des Kollegs bilden, Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation. Sie promovieren berufsbegleitend. Darüber hinaus ist durch das kürzlich veröffentliche Grundsatzpapier des BMBF zur Wissenschaftskommunikation, das Kolleg mit seiner thematischen Ausrichtung stark in den Fokus der Aufmerksamkeit von Politik, Öffentlichkeit und Scientific Community gerückt.

Wissenschaft als methodisch geleitetes System zur Schaffung neuer Erkenntnis und wahrheitsfähiger Aussagen muss sich stetig mit veränderten internen und externen Bedingungen auseinandersetzen. Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsdynamiken und Herausforderungen ist immer stärker theoretisch und methodisch gerahmtes sowie sozial robustes Lösungswissen gefordert. Zugleich haben Modernisierungen der letzten Jahrzehnte innerhalb des Wissenschaftssystems selbst eigenständige Strukturentwicklungen ausgelöst, die sich auf die Bildungs- und Forschungsfunktion massiv ausgewirkt haben und weiter auswirken:

  • Erstens sind unter Schlagwörtern wie beispielsweise Autonomie, Transfer, Bologna, Digitalisierung, Heterogenität, Öffnung eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben definiert oder bestehende Aufgaben erweitert worden. Diese sind ohne ein funktionierendes Wissenschaftsmanagement, das die notwendigen strategischen und operativen Leistungen in Lehr- und Forschungsprozessen an den Einrichtungen unterstützt, nicht zu bewältigen.
  • Zweitens besteht ein Bedarf am öffentlichen Beitrag wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gesellschaftlicher Entwicklung und Problembearbeitung, sowie an der Legitimierung öffentlich finanzierter Wissenschaft. Hierbei ist, neben guter Wissenschaft selbst, besonders die Wissenschaftskommunikation gefragt, deutlich mehr zu tun, als die Ergebnisse der wissenschaftlichen Wissensproduktion öffentlichkeitswirksam zu ‚vermarkten‘. Vielmehr sind mittels Wissenschaftskommunikation die komplexen Austauschbeziehungen zwischen Wissenschaft und verschiedenen Öffentlichkeiten zu gestalten, um adressat:innengerechte Vermittlung von wissenschaftlichem Arbeiten und Erkenntnissen, sowie zunehmend Partizipation zu ermöglichen.

Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation lassen sich somit deutlich als neuartige Praxen der Wissenschaftssystementwicklung identifizieren. Ihre systematische und ebenso praxisorientierte, wie forschungsorientierte Reflexion stellt eine wichtige Aufgabe der Hochschul- und Wissenschaftsforschung dar.

Im Graduiertenkolleg qualifizieren sich derzeit 16 Hochschul- und Wissenschaftsforscher:innen, die selbst überwiegend aus der Praxis kommen und berufsbegleitend promovieren sowie drei Habilitand:innen. Als Grenzgänger:innen vermitteln sie sowohl zwischen den beiden Themen als auch zwischen Forschung und Praxis. Indem das Kolleg die Verbindung dieser verschiedenen Perspektiven in der Hochschul- und Wissenschaftsforschung stärkt, sorgt es dafür, dass sich die Felder des Wissenschaftsmanagements und der Wissenschaftskommunikation treffen und zwar sowohl in der Anwendungspraxis als auch in den wissenschaftlichen Communities.

Die engere Kopplung der Forschungsaktivitäten zu Wissenschaftsmanagement und Wissenschaftskommunikation löst nicht alle eingangs erwähnten Herausforderungen. Die Verzahnung kann in der Praxis aber bereits jetzt ertragreiche und teils kontroverse Diskussionen in den Einrichtungen anregen: als Kommunikation des Managements und als Management der Kommunikation.

Langfristig zielt die gestärkte Verbindung beider Forschungsfelder darauf ab, das Wissenschaftssystem besser für seine praktischen Herausforderungen zu ertüchtigen, weitere Forschungslücken aufzuspüren, Desiderate aus der Praxis zu bearbeiten sowie den Austausch zwischen Forschung und Praxis weiter zu stärken.

 

Weitere Informationen und Neuigkeiten zum Graduiertenkolleg finden Sie auf der folgenden Website: https://www.wimako-kolleg.de

Letzte Änderung: 26.11.2021 - Ansprechpartner: fokuslehre@ovgu.de